Das Versicherungs(un)wesen - Kapitel 1: herrenlose Prämienüberschüsse - Ursache allen Übels

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Das Versicherungs(un)wesen –
eine Branche jenseits von Recht und Wettbewerb
 H. D. Meyer, Heyne Verlag, 1993
Auszug Seite 5 und ab Seite 15. Mehr Informationen und Fundstellen finden Sie
im Original-Dokument
www.versicherungsreform.de/Dokumente/PDF/Das-Versicherungs(un)wesen-1993.pdf
 

 (Stand 1993)

KAPITEL 1

 
 

Die Ursache allen Übels:
Mißverständnisse um die notwendigen Prämienüberschüsse   


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Intransparenz infolge der Vermengung unterschiedlicher Prämienbestandteile    

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Ein langer Kampf um Recht und Wettbewerb im Versicherungswesen   

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Vorwort des Autors (Seite 5)

Das Manuskript für die Erstauflage dieses Buches hatte ich zufällig am Tag der deutschen Vereinigung abgeschlossen und das Buch deshalb den neuen Bundesbürgern aus der ehemaligen DDR gewidmet – in der Hoffnung, sie würden von unseren Politikern vor dem westdeutschen Versicherungs(un)wesen geschützt. Aber was zu erwarten war, geschah: Die Neubundesbürger wurden in kürzester Zeit von Drückerkolonnen mit unsinnigen und viel zu teuren Versicherungen um etliche Milliarden Mark „legal betrogen“. Insofern ist dieses Buch auch ein Lehrstück für Demokratie-, Politik- und Marktversagen, das anhand der Missstände in unserem Versicherungs(un)wesen beschreibt, wie eine ganze Branche unter Mitwirkung von Politikern und Beamten einen Wirtschaftsbereich jenseits von Recht und Wettbewerb geschaffen und bis heute erhalten hat.

Ab Seite 16:

Seit Mitte der 70er Jahre beschäftigte mich die Frage, warum denkende Menschen für einen völlig gleichen Versicherungsschutz bis zu doppelt und dreifach unterschiedliche Prämien bezahlen. Das ist gleichzeitig die Frage, wie es in einem demokratischen Rechtsstaat mit sozialer Marktwirtschaft und einer staatlichen Versicherungsaufsicht möglich sein kann, daß Versicherungs-Aktiengesellschaften doppelt und dreifach überteuerte Prämien durchsetzen und sich dann bei den meisten Versicherungsarten die Prämienüberschüsse als Gewinne einstecken können. Die Antwort auf diese Fragen konnte nur sein: Markt und Wettbewerb funktionieren nicht im Versicherungswesen.

 

Die Ursache allen Übels:
Mißverständnisse um die notwendigen Prämienüberschüsse

 

Ich erkannte sehr bald, daß die Prämienüberschüsse das zentrale Problem im Versicherungswesen sind. Jeder kann verstehen, daß Versicherungsprämien - sicherheitshalber - überkalkuliert sein müssen, damit auch beim schlechtesten Schadenverlauf alle Schäden bezahlt werden können. Aber warum sollen die zwangsläufig entstehenden Überschüsse dann Gewinne von Versicherungs-Aktiengesellschaften sein ? - Welche Gegenleistung der Unternehmen wird hier ausgetauscht ? - Das Erstaunlichste ist, daß Versicherungsbilanzen nicht einmal Aufschluß darüber geben, wie hoch diese Überschüsse sind. Die Gewinn- und Verlustrechnungen weisen zwar einen Gesamtüberschuß aus, lassen aber nicht erkennen, ob und in welcher Höhe darin Überschüsse aus dem Versicherungsbereich, also aus Versichertengeld, oder aus dem Dienstleistungsbereich, also aus Unternehmensgeld, enthalten sind.

Nach jahrelangem Grübeln über die Ursachen für die Grundprobleme unseres Versicherungswesens kam mir eines Tages - beim Joggen im Stadtpark von Hamburg - die simple Frage in den Kopf:

„Warum ist die Versicherungsprämie eigentlich nicht aufgeteilt in Versichertengeld für Schadenzahlungen und in einen Preis für die Dienstleistungen der Unternehmen?“

Tatsächlich ist die Versicherungsprämie als Ganzes nicht - wie alle Welt glaubt - ein Preis, sondern enthält einen reinen Versicherungsbeitrag, den die Versicherten für Schadenszahlungen bereitstellen. Und sie enthält einen Dienstleistungsanteil - einen Preis für die Dienstleistungen, die die Unternehmen beim Vertragsabschluß und Geldeinzug, bei der Vertragsverwaltung und Schadenregulierung erbringen. Und bei der mit einem Sparvorgang verbundenen Kapital-Lebensversicherung kommt als dritter Bestandteil noch ein Sparanteil hinzu.

 

Intransparenz durch Vermengung unterschiedlicher Prämienbestandteile

 

Das Problem ist, daß niemand - vor allem nicht der Verbraucher - die einzelnen Bestandteile einer Versicherungsprämie erkennen kann. Sie sind in der Prämie bis hin in die Bilanzen miteinander vermengt. Und damit können Gewinn- und Verlustrechnungen und Bilanzen von Versicherungs-Aktiengesellschaften zum „Tatort für Betrug und Untreue“ werden. Die Gesellschaften können nämlich die Überschüsse aus Versichertengeld - nach außen unbemerkt - zum Ausgleich von Kostenüberschreitungen und Mißmanagement im Dienstleistungsbereich verwenden („quer verrechnen“) und die danach verbleibenden Überschüsse auch noch ganz oder teilweise als Gewinn einstecken. Und das geschieht - wie wir noch sehen werden - bei den großen und teuren Aktiengesellschaften tagtäglich in Millionenhöhe.

Vollends unverständlich ist, daß sogar der von den Versicherten gezahlte Sparanteil bei Lebensversicherungen in die Prämie reingemengt wird und als solcher nicht mehr zu erkennen ist, so daß den Gesellschaften im Bereich der Lebensversicherung auch noch die Erträge aus dem Spargeld der Versicherten zum Ausgleich von Kostenüberschreitungen und Mißmanagement sowie als Gewinne zur Verfügung stehen.

Den Kardinalfehler im Versicherungswesen hatte ich entdeckt: die eigentlich unzulässige Vermengung von Versicherung und Lebensversicherungssparen mit den Dienstleistungen der Unternehmen. Auch der Tatort für Betrug und Untreue war entdeckt: Gewinn- und Verlustrechnungen und Bilanzen von Versicherungs-Aktiengesellschaften. Auf der Suche nach weiteren Erkenntnissen unternahm ich ausgedehnte Studienreisen durch Europa und Nordamerika und fand dabei eine Reihe von Tatsachen und Unterlagen, die meine Auffassung bestätigten, daß die Versicherungsprämie aufgeteilt werden müßte in einen reinen Versicherungsbeitrag und einen Preis für die Unternehmensdienstleistungen - bei Lebensversicherungen dazu noch in einen Sparanteil.

In den USA schrieb ich im Jahre 1979 ein kleines Büchlein „Insurance and Regulation - Services and Competition“ (Versicherung und Staatsaufsicht - Dienstleistungen und Wettbewerb, Library of Congress # TXu-23-540), das die Folgen der fehlenden Trennung von Versicherung und Unternehmensdienstleistungen darstellte und einiges Aufsehen erregte. So wurde ich Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre zu zahlreichen Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehinterviews, zu Anhörungen und Kongressen sowie zu Vorträgen eingeladen. Selbst der US-Senat wurde auf meine Thesen aufmerksam, und das Senats-Kommittee „for Human Rights and Remedies“ (Chairman Edward Kennedy) lud mich zu einem Referat ein. Es folgten Einladungen des Department of Justice, der Federal Trade Commission und der Federal Insurance Administration. Als Director of International Research arbeitete ich längere Zeit mit der National Insurance Consumer Organization der USA zusammen (eine von dem Verbraucheranwalt Ralph Nader gegründete Verbraucherschutzorganisation).

Im Jahre 1980 beantragte und erhielt ich in Hamburg die gerichtliche Zulassung als Versicherungsberater. Als solcher habe ich vor allem große Firmen zu Versicherungsfragen beraten, aber auch private Haushalte. Dabei habe ich festgestellt, daß gerade die Verbraucher immer wieder die gleichen Probleme mit ihren Versicherungen haben, insbesondere mit ihren Kapital-Lebensversicherungen und mit zu teuren, aber nicht kündbaren Zehnjahresverträgen. Das Hauptproblem war allerdings, daß es für die Bundesbürger keine neutralen Informationen gab, weil Gesellschaften und Vertreter ein Informationsmonopol besaßen und dieses ausgiebig für Falschinformationen nutzten nach der Devise: Wer dumm ist darf betrogen werden. Und Dummheit ist der billigste Rohstoff, aus dem Geld gemacht werden kann.

Versicherung ist also mehr ein Informations- als ein Versicherungsproblem. Bei ständig gleichen Problemen und Fragen der Verbraucher und immer gleichen Auskünften meinerseits lag es nahe, zu den einzelnen Problembereichen schriftliche Informationen zu entwickeln. So schrieb ich zu allen möglichen Versicherungsproblemen ein Bündel von Merkblättern, die ich im Jahre 1981 zu einem Buch „Ratgeber Versicherung“ zusammenfaßte und als solches vielen Verlagen anbot. Ich erhielt nur Absagen: Ein Buch über Versicherungen ließe sich nicht verkaufen, die Verbraucher seien daran nicht interessiert, ein zu trockenes Thema usw. Ein Verlag schrieb sogar, er könne ein solches „kritisches“ Buch mit Rücksicht auf die Versicherungsbranche nicht verlegen, weil diese ein großer Kunde des Verlages sei.

Weil das Buch nun einmal geschrieben war, gründete ich im Jahre 1982 einen Eigenverlag und ließ 10.000 Exemplare drucken, von denen ich auch einige an die Medien verschickte. Einige Zeitschriften (u.a. DER SPIEGEL) gaben dem Buch so gute Kritiken, daß die erste Auflage innerhalb eines Monats vergriffen war. Und mit monatlichen Verkaufszahlen von 10.000 Exemplaren ging es weiter. Dann meldeten sich natürlich die Verlage und waren plötzlich an der Übernahme des „Ratgeber Versicherung“ und an weiteren Büchern interessiert.

Die Bücher und Broschüren haben sicher einiges bewegt. Doch war mir und einigen engagierten Mitstreitern klar geworden, daß bei den gravierenden Mißständen im Versicherungswesen eine Interessenvertretung der Versicherten vonnöten war. So gründeten wir im Jahre 1982 in Hamburg den Bund der Versicherten (BdV), dessen Geschäftsführer ich wurde. Bereits im Jahre seiner Gründung wurde dem als gemeinnützig anerkannten Verein von einer aus sieben Journalisten bestehenden Jury der „Verbraucherpreis 1982“ zugesprochen - wie es in der Begründung heißt - „für seine Bemühungen, durch Veröffentlichungen, sachliche Beratungen und mutige Informationen Transparenz in das Dickicht der Versicherungen zu bringen“. Durch Öffentlichkeitsarbeit und Informationen hat der Bund der Versicherten sicher dazu beigetragen, daß im Versicherungswesen einige Veränderungen und Verbesserungen zugunsten der Verbraucher vorgenommen wurden. Neben der Beratung der Mitglieder führt der BdV auch eine Reihe von Prozessen und Verfassungsbeschwerden zu Grundsatzfragen des Versicherungswesens.

 

Ein langer Kampf um Recht und Wettbewerb im Versicherungswesen

 

Während meines langjährigen „Kampfes“ gegen die Mißstände im Versicherungswesen habe ich erkannt und gelernt, wie schwer es auch in einem demokratischen Rechtsstaat ist, rechts- und wettbewerbswidrige Zustände anzugreifen und zu Fall zu bringen. Das umso mehr, wenn sich diese Verhältnisse über Jahrzehnte erhalten und zu Milliardenverlusten der Bürger geführt haben. Die Reaktion vieler auf meine Kritik waren Ungläubigkeit und Zweifel: „Das darf doch nicht wahr sein“ oder „Das kann es in einem Rechtsstaat mit sozialer Marktwirtschaft doch nicht geben“.

      Darüber hinaus werfe ich den Verantwortlichen - Regierungen, Politikern, Beamten und Wissenschaftlern vor, daß sie versagt haben. Selbst wenn die Argumente überzeugen: Welcher Einsichtige gibt sein Versagen schon gerne zu und übernimmt damit gleichzeitig auch noch die Mitschuld an den Milliardenverlusten der Bürger ? -

Das ist ja gerade die große „Leistung“ der von Aktiengesellschaften beherrschten Branche: Sie hat eine unvorstellbare Globalstrategie entwickelt und seit Jahrzehnten nahezu alle demokratischen Kontrollorgane mit Lobbyisten besetzt oder manipuliert. Sie hat die demokratische, rechtsstaatliche und marktwirtschaftliche Ordnung korrumpiert, Politiker und Beamte unter ihren Einfluß gebracht und - mit Hilfe einer hauseigenen Wissenschaft - indirekt auch die Gesetzgebung und Rechtsprechung beeinflußt. Die größte Ironie ist dabei, das dies alles mit objektiv veruntreutem Geld der Versicherten gegen die Verbraucher geschehen ist.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Dr. Friedrich Voss, schreibt am 26.7.1990, für gesetzgeberische Maßnahmen wolle er nicht eintreten:

„Das wäre ein Schritt hin zur staatlichen Wirtschaftslenkung. Die führt aber nicht zu besseren Zuständen, wie uns gerade jetzt (in 1990) wieder besonders deutlich wird.“ –

Vielen Verantwortlichen ist genau diese Meinung von Branchenfunktionären und Lobbyisten beigebracht worden: „Wenn Ihr verhindert, daß wir anvertrautes Versichertengeld beim Ausgleich von Verlusten und als Gewinn verwenden können, dann ist das Verstaatlichung oder Wirtschaftslenkung - wie in den sozialistischen Staaten.“ - Kaum jemand erkennt, daß Versicherung - als gegenseitige Hilfe innerhalb einer Versichertengemeinschaft - nichts mit Marktwirtschaft und Wettbewerb zu tun haben kann und daß der Mißbrauch anvertrauter Gelder in den Bereich des Strafrechts fällt.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Ich habe nichts gegen Gewinne - im Gegenteil ! - Sie müssen nur im Wettbewerb erzielt werden. Weil das bei Versicherungsgesellschaften nicht der Fall ist, kämpfe ich - wie dieses Buch zeigt - für das Funktionieren von Marktwirtschaft und Wettbewerb im Versicherungswesen.

Ein Wandel ist sicher nicht mit den alten Köpfen möglich, sondern „neue Köpfe braucht das Land“ - vor allem unter den Beamten und Wissenschaftlern. Dann würden sicher Regierungen, Gesetzgeber und Richter anders handeln und entscheiden als bisher. Deshalb halte ich Öffentlichkeitsarbeit, also die Aufklärung der Bürger, für ungeheuer wichtig. Informationen über die Mißstände und über das Versagen von Politikern, Beamten und Wissenschaftlern könnten eine Wende herbeiführen. Möglicherweise verursacht auch die Kollision mit dem in vielen Bereichen besseren Versicherungswesen der ehemaligen DDR einen Zwang zu Reformen. So konnte man in der DDR jede Versicherung einen Monat vor der Beitragsfälligkeit kündigen. Die Bundesbürger können die oft doppelt bis dreifach zu teuren Versicherungen meistens zehn Jahre lang nicht kündigen. Und die staatliche Versicherung der DDR arbeitete mit Kosten zwischen sechs bis acht Prozent, während bundesdeutsche Aktiengesellschaften bei manchen Versicherungsarten mehr als die Hälfte der Prämieneinnahmen als Kosten und Gewinne verbrauchen. Aber der Allianz-Konzern hat sich in einer Nacht- und Nebelaktion auf die Staatliche Versicherung der DDR gestürzt, die Mehrheitsbeteiligung übernommen und wird nun wohl das bundesdeutsche Versicherungs(un)wesen auch in der ehemaligen DDR einführen.

Der Wirtschaftsjournalist Dieter Kampe schrieb im Jahre 1984 in einem Artikel der Zeitschrift „Transatlantik“, ich brächte „die Sturheit und den langen Atem mit, den man braucht, um die mit Filz, Geld und Paragraphen verkleisterte Versicherungsmaterie aufzudröseln“. Fünf Jahre später, im Jahre 1989, war „dem Bund der Versicherten erstmals ein Einbruch in das feste Bollwerk des Versicherungswesens gelungen“. So der Herausgeber der „Wirtschaftswoche“ Professor Dr. Wolfram Engels. Der Verein hätte im „Kampf um Reformen auf dem Versicherungssektor Verbündete gewonnen“. Über zehn Jahre ein langer und mühsamer Weg für erste Anfangserfolge.

Die Versicherungs-Aktiengesellschaften, deren Geschäftsgrundlage die Unwissenheit der Bürger ist, hassen natürlich nichts mehr als Aufklärung und Informationen. Also bekämpfen sie Verbraucherschützer und Informanten wie den Bund der Versicherten. Und sie gewinnen dabei immer wieder Verbündete. Die Branche suchte sogar Schutz und Hilfe beim damaligen Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff, wie sich aus einem Schreiben des Staatssekretärs Schlecht an den Präsidenten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft vom 21.7.83 ergibt, in dem es heißt:

„Sehr geehrter Herr Büchner, in Ihrem Brief an Minister Graf Lambsdorff berichten Sie von den Aktivitäten von Herrn Meyer ...“. –

Dem Schreiben beigefügt war eine Pressenotiz des Bundesministeriums für Wirtschaft mit völlig falschen Wiedergaben der Aktivitäten und Thesen des Bundes der Versicherten - mehr „Schlecht“ als recht. Und der Brief des Herrn Schlecht schloß:

„Ich stelle Ihnen anheim, dieses Schreiben nach Ihrem Gutdünken öffentlich zu verwerten. Darüber hinaus habe ich beigefügte Klarstellung an die Presse gegeben.“ –

Dies als Beispiel, welche Beziehungen zwischen Branche und politisch Verantwortlichen bestehen und wie diese - in konzertierter Aktion - gegen unliebsame Interessenvertreter der Verbraucher eingesetzt werden.

In der Mitgliederzeitung des Bundes der Versicherten hatte ich den DDR-Versicherungs­wissenschaftler Prof. Dr. Bader zitiert:

„Mit dem Tatbestand des Versicherungsrisikos wird die Aneignung von Teilen der Beitragseinnahmen in Form von Versicherungsprofit begründet bzw. zu rechtfertigen versucht. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß das Geschäft mit dem Risiko das risikoloseste Geschäft ist.“

 Nach Rudolf Kraus von der CSU soll das Zitieren von Prof. Bader eine „Verbreitung von pseudowissenschaftlichen Klassenkampfparolen“ sein. Mit dem Vorwurf der „erkauften Untätigkeit“ aller in der Bundesrepublik für das Versicherungswesen Verantwortlichen soll ich „weite Bereiche unserer wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Ordnung bis an die Grenze des strafrechtlich Erheblichen denunziert“ haben. Statt Interesse an einem Gespräch mit Andersdenkenden traf ich in der Bundesrepublik - anders als in den USA - auf einen Eisernen Vorhang.

 In dem vorliegenden Buch habe ich meine Erfahrungen und die Ergebnisse meiner Recherchen zusammengefaßt. Um aufzuzeigen, daß ich mit meiner massiven Kritik nicht allein stehe, habe ich besonders viele Zitate in das Buch eingearbeitet. Das Buch soll in möglichst einfacher, aber auch ausführlicher Form interessierte Verbraucher über die Mißstände im Versicherungswesen und deren Ursachen informieren. Es soll aber gleichzeitig auch alle Verantwortlichen - Politiker, Beamte, Wissenschaftler, Richter und Journalisten - zum Nachdenken anregen. Möglicherweise gibt das Buch auch einen Anstoß für längst überfällige wissenschaftliche Untersuchungen unseres Versicherungswesens. Also kein Lehrbuch, wohl aber ein Buch mit wissenschaftlichem „touch“ - ein weiterer Schritt zum „Aufdröseln der mit Filz, Geld und Paragraphen verkleisterten Versicherungsmaterie“.

 Fortsetzung im Dokument „Unwesen Kapitel 2